Schlagwort-Archiv: Banken

Das kann schon mal passieren!

5 Nov

Um 55 Milliarden Euro hat man sich verrechnet bei der Hypo Real Estate in Deutschland. Und das obwohl die Bank über gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter verfügt, die Buchhaltung von der renommierten Firma KPMG machen lässt und das ebenso renommierte Unternehmen Ernst & Young die Abschlüsse prüft.

Wie konnte das passieren?

Ganz einfach: indem jeder sich lieber mit schönen Konzepten (oft in Form von dicken Foliensätzen) befasst anstatt die zugrundeliegenden Fakten ernsthaft zu hinterfragen.

Ich habe selber in großen Unternehmen immer wieder erlebt, wie einfach man in den meisten Besprechungen mit Analysen beeindrucken kann, selbst wenn die Datenbasis mehr als wackelig ist.

Warum ist das so? Einige Grundursachen:

  1. Analytiker sind meist nicht die Entscheider. Sie stehen sich selbst im Weg mit ihren Details. Entscheidungen machen meist die, die lieber nicht zu viele Details kennen wollen.
  2. Es ist mühsam, sich mit den Basisfakten zu beschäftigen. Und es kostet Zeit.
  3. Es besteht die Gefahr, dass ungewünschte Zusammenhänge deutlich werden. Je weniger Fragen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man die eigenen Paradigmen weiterleben kann.

Das kann soweit gehen, dass in Organisationen geradezu eine Angst des Hinterfragens entsteht, zumindest in offiziellen Meetings. Kluge Köpfe werden trotzdem Fragen stellen, aber eben ohne Wirkung. Zumindest zunächst.

Diese Kultur trug seinerzeit mutmasslich bei der NASA erheblich zum Absturz der Challenger bei, und sie ist sicher Ursache zahlreicher Unternehmenspleiten.

Es ist sehr sicher, dass auch in anderen Unternehmen zahlreiche Rechenfehler in jeglicher Größenordnung passieren, und zwar nicht nur bei Banken.

Schauen Sie sich um: wie oft werden bei Ihnen angebliche Fakten hinterfragt? Und auf welchen Ebenen?

Noch ein Tipp aus meiner Zeit als internationaler Controller bei einem Großunternehmen: schon das Bewusstsein, dass viele Zahlen genauso richtig wie falsch sein können, führt oft zu wichtigen Fragestellungen und Erkenntnissen.

Wenn Steve Jobs ein Banker wäre

8 Okt

Steve Jobs hat die Computerwelt revolutioniert. Sein grösstes Verdienst ist, dass er eine trockene Technik mit positiven Emotionen verband. Mit all den Geräten wie iPhone, iPad, iPod, die keiner wegen der Technik, aber alle wegen der Emotionen kaufen.

Was wäre passiert, hätte Steve Jobs im Bankensektor angefangen? Vielleicht dies:

  1. Er hätte festgestellt, dass Bankprodukte emotionslos, kompliziert und schwer verständlich sind. Die meisten Angebote sind auch noch sehr unattraktiv in Bezug auf das Ergebnis, das man damit erzielt. Die Kundenbetreuung der meisten Geschäftsbanken ist schlecht bis verbesserungsbedürftig. Kaum einer verbindet Spass mit dem Gang zur Bank.
  2. Er hätte Produkte kreiert, die einfach verständlich sind, Spass machen, und die es nur in wenigen Varianten gibt. Die Performance könnte ruhig etwas schlechter sein als bei Vergleichsprodukten. Aber sie werden verstanden!
  3. Er hätte durchgehende kundenorientierte Prozesse entworfen: vom ersten Kontakt mit der “Apple-Bank” bis zum hundertsten Kauf bekommt man das gleiche konsistente Kauferlebnis: Einfach, schick, funktionierend, intuitiv. Keine kleingedruckten Paragraphen, keine zehn Unterschriften, keine verwirrende Produktvielfalt. Aber eine Servicehotline, die rund um die Uhr Fragen beantwortet.
  4. Er hätte Bank-Shops gestaltet, in denen es Spass macht, einfach nur hineinzugehen und zu schauen. In denen hochmotivierte Mitarbeiter den Kunden oder Interessenten bereits am Eingang begrüssen und fragen, was sie tun können. Wenn man eine Verabredung hat (“Genius Bar”!), leiten die Mitarbeiter den Kunden zum korrekten Ansprechpartner weiter.
  5. Er hätte bei allem den Staub entfernt. Einfache, freundliche Mitarbeiter, hundertprozentig überzeugt von ihrem Unternehmen, einfache, Spass machende Produkte, hohe Qualität, Emotionen.

P.S. Man stelle sich die Inszenierung eines neuen Finanzproduktes vor: hunderte Fans kampieren die Nacht vorher vor dem Eingang des “Apple-Bank-Shops”, um die ersten zu sein, die ihr Geld mit dem neuen Angebot anlegen können. Beim Herausgehen wedeln sie triumphierend mit dem neuen Anlagezertifikat.

Unvorstellbar? Unrealistisch? Dann fragen Sie sich: Wie realistisch schien Ihnen genau dieses Phänomen mit Computern von IBM und Dell?

Wo ist der Steve Jobs der Banken?