Um 55 Milliarden Euro hat man sich verrechnet bei der Hypo Real Estate in Deutschland. Und das obwohl die Bank über gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter verfügt, die Buchhaltung von der renommierten Firma KPMG machen lässt und das ebenso renommierte Unternehmen Ernst & Young die Abschlüsse prüft.
Wie konnte das passieren?
Ganz einfach: indem jeder sich lieber mit schönen Konzepten (oft in Form von dicken Foliensätzen) befasst anstatt die zugrundeliegenden Fakten ernsthaft zu hinterfragen.
Ich habe selber in großen Unternehmen immer wieder erlebt, wie einfach man in den meisten Besprechungen mit Analysen beeindrucken kann, selbst wenn die Datenbasis mehr als wackelig ist.
Warum ist das so? Einige Grundursachen:
- Analytiker sind meist nicht die Entscheider. Sie stehen sich selbst im Weg mit ihren Details. Entscheidungen machen meist die, die lieber nicht zu viele Details kennen wollen.
- Es ist mühsam, sich mit den Basisfakten zu beschäftigen. Und es kostet Zeit.
- Es besteht die Gefahr, dass ungewünschte Zusammenhänge deutlich werden. Je weniger Fragen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man die eigenen Paradigmen weiterleben kann.
Das kann soweit gehen, dass in Organisationen geradezu eine Angst des Hinterfragens entsteht, zumindest in offiziellen Meetings. Kluge Köpfe werden trotzdem Fragen stellen, aber eben ohne Wirkung. Zumindest zunächst.
Diese Kultur trug seinerzeit mutmasslich bei der NASA erheblich zum Absturz der Challenger bei, und sie ist sicher Ursache zahlreicher Unternehmenspleiten.
Es ist sehr sicher, dass auch in anderen Unternehmen zahlreiche Rechenfehler in jeglicher Größenordnung passieren, und zwar nicht nur bei Banken.
Schauen Sie sich um: wie oft werden bei Ihnen angebliche Fakten hinterfragt? Und auf welchen Ebenen?
Noch ein Tipp aus meiner Zeit als internationaler Controller bei einem Großunternehmen: schon das Bewusstsein, dass viele Zahlen genauso richtig wie falsch sein können, führt oft zu wichtigen Fragestellungen und Erkenntnissen.