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Sie sind Schuld an Ihrem Misserfolg!

14 Mar

Wenn ich mit Führungskräften aus Unternehmen rede, gibt es grundsätzlich zwei Auffassungen über den Zustand des eigenen Unternehmens:

  1. Es gibt viele Probleme (vom Markt, vom Wettbewerb, von den Behörden, von den Mitarbeitern,…) und wir können kaum etwas machen.
  2. Es gibt sehr viele Chancen und wir werden immer das beste daraus machen.

Zu welcher Kategorie gehören Sie?

Beispiele für Kategorie 1 (alle tatsächlich so gehört):

  • Unsere Mitarbeiter befassen sich zu viel mit Social Media während der Arbeitszeit, also sollten wir es verbieten.
  • Wir stehen ständig im Preiswettbewerb und können nichts machen.
  • Unsere Kunden schauen nur auf den Preis.
  • Alles ist reguliert, uns sind die Hände gebunden.
  • Der Markt ist sehr lokal, wir können regional nicht wachsen.

Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Eines ist sicher:

Führungskräfte, die so denken, werden tatsächlich keinen Erfolg haben. Nie!

Wie wäre es, wenn Sie stattdessen dieselbe Situation so betrachten:

  • Super, dass unsere Mitarbeiter sich mit Social Media befassen. Also lass uns diese neuen Medien für die Unternehmenszwecke nutzen, so dass unsere Mitarbeiter ihr Wissen einbringen können und ihre Motivation steigt.
  • Wenn wir Preisdruck bekommen, finden wir Möglichkeiten, dass wir unseren Kunden soviel Mehrwert bieten (aus Kundensicht!), dass sie gerne auch etwas mehr zahlen.
  • Auch im regulierten Markt finden wir Elemente, die wir darüber hinaus anbieten können und die auch profitabler sind.
  • Kein Markt ist nur lokal. Alle Märkte lassen sich geographisch ausweiten. Sonst würde es keine Lebensmittel- und Restaurantketten geben.

Zu den positiven Beispielen, die sich auf einer wichtigen Veranstaltung präsentiert haben, gehören:

  • Ein Farbhersteller aus der Schweiz(!) für den Bau, der Premiumpreise erzielt und jedes Jahr zweistellig wächst. Verkauf über Emotionen (am Bau, wer hätte das gedacht!).
  • Ein Bootsbauer in der Schweiz, der extrem profitabel ist und stark wächst.
  • Ein Modelabel, dass alle Kleider in der Schweiz (Hochpreisland!) herstellt, sehr profitabel ist und kräftig wächst.

Hat einer von diesen Unternehmen (alle aus “gesättigten” Märkten) geklagt über Preiswettbewerb? NATÜRLICH NICHT! Sie tun stattdessen lieber etwas.

Leider hat diesen Mindset nur eine Minderheit von Führungskräften in Mittel- und Grossunternehmen.

Bonmot am Schluss: Ein Manager aus der Versicherungsbranche, den ich kürzlich kennenlernte, antwortete mir auf meine Frage nach einem Gedankenaustausch zur Strategie: “Aktuell sehe ich keinen Bedarf für mögliche Denkanstösse. Ich würde mir erlauben, bei allfällig veränderter Bedarfsanlage meinerseits auf Ihr Angebot zu einem Gespräch zurückzukommen.”

Das sagt eigentlich alles.

In Watte gepackt

1 Mar

Wir umgeben uns alle mit Schutzschilden und Stoßdämpfern. Das ist notwendig, um plötzliche Ereignisse, die uns erreichen, aufzufangen und abzubremsen. Das gibt uns Zeit zur Verarbeitung und zur Entwicklung einer angemessenen Reaktion.

Der unangenehme Nebeneffekt: je mehr Dämpfer wir um uns herum aufbauen, desto schwerer sind wir für die Umgebung und für andere Menschen erreichbar. Desto schwerer ist es auch, uns für Neues zu begeistern. Wir müssen ja erstmal abwägen, weiter untersuchen, gewichten, verstehen.

Jeder mag für sich selbst beurteilen, inwieweit er oder sie sich abschottet oder lieber die Nase in den rauen Wind steckt. Nur eines ist klar: für Organisationen jeder Art und Größe ist es fatal, wenn die Mehrheit der Mitarbeiter in dicken Wattebauschen steckt und praktisch kaum noch für jegliche Änderungen erreichbar ist.

Indikatoren:

  • Antwortzeiten sind lang und länger.
  • Jede noch so gute Idee wird erstmal zerrissen.
  • In den Büros und Werkstätten ist kaum mal ein Lachen oder eine ausgelassene Kommunikation zu hören.

Die normale Reaktion der Unternehmensleitung, wenn sie die Missstände überhaupt merkt: mehr Kommunikation, vielleicht eine neue Mission, die an die Wände geklebt wird, und oft mehr Druck.

Das bringt alles gar nichts außer herausgeworfenem Geld und sehr oft Zynismus. Stattdessen sollten Sie als Führungskraft lieber mit gutem Beispiel vorangehen, Ihre eigenen Antwortzeiten radikal verkürzen, persönliches mit Ihren Mitarbeitern teilen, und ehrlichen Humor wiederbeleben.

Egal welche Maßnahmen Sie im Detail ergreifen, Hauptsache Sie machen die Änderung der Kultur zu einer Herzensangelegenheit für sich und Ihre Mitarbeiter. Mit Leidenschaft und Ehrlichkeit. Und starten Sie schnell. Damit die Watte verschwindet und Offenheit zurückkehrt.

Die Entkopplung

10 Jan

Eine der größten Errungenschaften der Zivilisation ist das Denken in Folgen des eigenen Tuns.

Je höher die Lebewesen auf der Entwicklungsstufe sind, desto stärker ist die Fähigkeit ausgeprägt, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu berücksichtigen.

Der bewusste Gebrauch von Werkzeugen konnte nur entstehen durch diese Fähigkeit. Ebenso die Vorratswirtschaft, Landwirtschaft, jegliches Produzieren von Gütern, die nicht nur für den unmittelbaren Bedarf bestimmt sind.

Und doch, eines der größten Probleme von Gesellschaften, Organisationen und auch Individuen entsteht dadurch, dass eben genau diese Fähigkeit nicht genutzt wird.

Wir berücksichtigen nicht die Konsequenzen des eigenen Handelns. Symptome:

  • In Gesellschaften kümmern sich die Menschen nicht um ihre unmittelbare Umgebung, werfen Müll achtlos weg, handeln rücksichtslos gegenüber ihren Mitmenschen.
  • In Unternehmen arbeiten die Angestellten nur das Nötigste, priorisieren ihre eigenen Angelegenheiten über den Zielen der Organisation, kommen spät und gehen früh.
  • Individuelle Personen tun nicht die Dinge, die gut für ihre Zukunft sind, sondern ihnen eher schaden, um dann später über Benachteiligung zu klagen.

Die Folgen: Gesellschaften benachteiligen diejenigen, die sich an die Regeln kultivierten Zusammenlebens halten, Organisationen werden ineffizient, Individuen resignieren.

Was ist zu tun, um das Denken in Zusammenhängen zu fördern?

  • Gesellschaften tun gut daran, die direkten Folgen des einzelnen Handelns für jeden einzelnen spürbar zu machen. Je direkter die Zusammenhänge, desto besser. Das ist ein Grund dafür, dass kleinere Staatsgebilde und Strukturen fast immer zu höherer Zufriedenheit und Produktivität führen.
  • Führungskräfte in Unternehmen machen Prozesse allem klar, vor allem Verantwortlichkeiten, kommunizieren eine einfache und konsistente Strategie und leben die Unternehmenswerte täglich vor.
  • Sie als Einzelperson überlegen genau, was Sie erreichen wollen, um dann die einzelnen Schritte dahin diszipliniert umzusetzen. Siehe hierzu auch dieser Artikel.

Klar, das sind nur grobe Leitlinien und eine detaillierte Ausgestaltung ist notwendig. Und doch, es fängt alles mit dem Denken und Handeln in die richtige Richtung an.

Erkennen Sie in Ihrem Umfeld und bei sich selbst die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und bestimmen Sie Ihr Handeln danach — und Sie sind anderen bereits meilenweit voraus.

P.S. Wenn Sie gerne in Zusammenhängen denken, empfehle ich wärmsten diesen exzellenten Blog: Inter-related.com

Erledigen Sie Aufgaben oder erzielen Sie Ergebnisse?

23 Nov

Man sieht es immer wieder:

  • Hotelangestellte, die vor lauter Beschäftigung den Gast vergessen;
  • Manager beliebiger Unternehmen, die  immer zuviel zu tun haben;
  • Führungskräfte, die vor lauter operativer Hektik keine Zeit für die Strategie der nächsten Jahre haben;
  • Mitarbeiter aller Ebenen, die sich zwar überarbeiten, aber das Gefühl haben sie schaffen nichts richtig.

Bei unserem Besuch des 5-Sterne Hotels “Royal Evian” vor zwei Tagen, einem der besten Hotels in Frankreich, war eigentlich alles perfekt, bis auf die Angestellten in der Bar, die zwar hektisch umherliefen, immer irgendeine Kleinigkeit machten, aber uns mindestens fünfmal übersahen, das Essen spät brachten und selbst zum Bezahlen mehrfach gerufen werden mussten. Selbst Tische wurden nur halb abgeräumt und dann wieder vergessen.

Mit anderen Worten: die Angestellten vergassen vor lauter Aufgaben die Kunden, also den eigentlichen Grund, warum sie überhaupt dort arbeiten.

Geht Ihnen das auch manchmal so? Vor lauter Aufgaben wissen Sie das Ziel Ihres Bemühens gar nicht mehr? Dann sind Sie in guter Gesellschaft, denn das ist eine der grössten Versäumnisse in Unternehmen.

Für den einzelnen mag das schon zu Unzufriedenheit führen, für jede Organisation ist das fatal. Was also tun?

  • Hinterfragen Sie zu jeder neuen Aufgabe, was das wirkliche Ziel und der Mehrwert ist. Fangen Sie nur dann an, wenn diese klar sind.
  • Erstellen Sie keinen Report, keine Auswertung, die nicht zur Entscheidungsfindung oder zur Schulung dient. Es gibt nichts dazwischen. Aus meiner Erfahrung werden mindestens 80% der Auswertungen aus Interessen oder Gewohnheit, aber ohne Nutzen erstellt.
  • Gehen Sie in kein Meeting, keine Besprechung, keine Telefonkonferenz ohne klare Ziele. Die Mehrzahl der Meetings in Unternehmen startet ohne klare Zielsetzung. Sparen Sie die Zeit. Verweigern Sie die Teilnahme!
  • Setzen Sie sich 1-3 klare Ziele pro Tag. Arbeiten Sie in 80%  Ihrer Zeit an Aufgaben zu deren Erreichung.
  • Vergessen Sie nie die Kunden. Diese sind der alleinige Zweck und Fokus aller Organisationen.

Ich schätze die Produktivitätspotenziale in Unternehmen allein durch Weglassen von Aufgaben ohne klare Ziele und Mehrwert auf mindestens 30%, oft sicher mehr. Von höherer Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit ganz zu schweigen.

Starten Sie: Ändern Sie Ihre Arbeitsweise. Für sich und für Ihr Unternehmen. Heute!

Wie langsam sind Sie?

17 Nov

Es gibt Leute, bei denen wartet man tagelang auf Antworten zu einfachen Fragen. Das ist an sich kein Problem, sondern höchstens unangenehm im privaten Umfeld. Es wird aber zur echten Herausforderung in einer Organisation. Wenn mehr als ein Viertel der Mitarbeiter mindesten zweimal gefragt werden müssen, bevor sie überhaupt reagieren, frisst das enorme Produktivität, Motivation und Agilität.

Und das ist keine Ausnahme. Woran liegt das?

  1. Es liegt NICHT an der Arbeitsbelastung. Im Gegenteil: Oft reagieren die am stärksten belasteten Mitarbeiter am schnellsten.
  2. Ein wichtiger Grund ist mangelnder Fokus und Commitment: “Es ist ja doch nicht so wichtig was ich sage oder mache!”
  3. Zu viele Leute sind generell eher re-aktiv als aktiv. Und das Reaktive kann dann warten.

Diese Verhaltensweisen können sich in Organisationen geradezu zu Kulturen des Nicht-Reagierens, des Egal-seins, verfestigen. Zu Beginn unbemerkt, wird das Unternehmen wie durch einen Virus nach und nach von innen heraus gelähmt.

Was tun?

Als Führungskraft, statt irgendeinem grossartigen Produktivitätsprogramm oder “Motivationsmassnahmen” ändern Sie lieber die “Schweige-Kultur”:

  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Antworten Sie schnell (innerhalb Minuten) auf Fragen.
  • Machen Sie sehr klar, dass Sie dasselbe vom Management erwarten.
  • Trennen Sie sich von notorischen Verlangsamern.
Und jetzt: Schnell an die Arbeit, es warten sicher schon offene Fragen auf Sie!