Ein junger Investmentbanker hat zwei Milliarden Schweizer Franken verspielt. Die Welt (oder nur die Presse?) wundert sich. Wie konnte das passieren, nachdem doch nach der ersten Finanzkrise neue Kontrollmechanismen eingezogen wurden?
Dabei kann sich doch nur derjenige wundern, der die Zusammenhänge nicht versteht. Denn:
Man kann eine Kulturänderung nicht durch Vorschriften und Compliance-Richtlinen erzwingen. Nie! Nirgendwo!
Und das Verhalten des jungen Mannes ist nur und ausschliesslich durch die Kultur zu erklären, in der er Tag für Tag agiert. Er ist mit Sicherheit kein “geborener” Krimineller (die gibt es sowieso nicht), sondern eine Person, die extrem auf das bestehende kulturelle Umfeld anspricht und daraus den eigenen Nutzen zieht. Das ist keine Rechtfertigung für sein Verhalten, sondern nur eine Beschreibung der Umstände.
Jedes Land, jedes Unternehmen, jede Organisation, jede Familie hat ihre Kultur als Sammlung ausgeübter Werte. Bewusst oder unbewusst.
Der Trick ist nun: diese Werte, diese Kultur kann man nicht über Nacht ändern, und schon gar nicht (nie!) durch Vorschriften. Werteänderungen funktionieren nur dann relativ schnell, wenn:
- die Führung diese neuen Werte klar kommuniziert und (wichtig!) vorlebt
- ein Umfeld geschaffen wird, in dem sich das Verhalten gemäss der neuen Werte mehr lohnt als das Befolgen der alten
- jedes kleine Fehlverhalten umgehend zur Sprache gebracht wird
Was ist nun bei den Banken, darunter UBS, passiert? Zum grössten Teil wurden Vorschriften und “Verhaltensrichtlinien” erlassen. Wurde wirklich an einem der genannten drei Stellhebel zur Änderung der Kultur gearbeitet? Wer das Umfeld in grossen Unternehmen einigermassen kennt, darf das stark bezweifeln.
Also ist es nicht verwunderlich, wenn weiterhin Fälle wie der Skandal bei UBS passieren. Denn ich sehe nicht, dass wirklich ernsthaft eine Kulturänderungen gewollt und durchgesetzt wird.